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Hamburg – An diesem Samstag erwartet der FC St. Pauli Bundesliga-Tabellenführer FC Bayern am Millerntor (18.30 Uhr). Es ist ein Pflichtspiel – im Gegensatz zum Jahr 2003. Damals traten die Bayern bei den Hamburgern zum Freundschaftsspiel an, um den Reeperbahn-Klub vor der Pleite zu bewahren. Die Partie hatte St. Pauli eine Millionensumme eingebracht. Seitdem wird Bayerns damaliger Manager und heutiger Ehrenpräsident Uli Hoeneß (74) als Retter des FC St. Pauli angesehen.

Damit nicht genug. Zuletzt engagierte sich Hoeneß erneut für den Kiez-Verein. Seit 2025 ist er Genosse bei den Hamburgern. Darum hat Pauli-Präsident Oke Göttlich (50) vor dem Duell gegen die Münchner einen Wunsch: „Ich hoffe, dass Uli Hoeneß am Samstag, wenn wir gegen die Bayern spielen, erstmals als Genosse ans Millerntor kommt. Wir danken ihm für sein Engagement für viele kleinere Vereine. Er ist herzlichst eingeladen in das Stadion, in das er investiert hat, das wir ihm dann zeigen wollen (die Genossenschaft hat das Millerntor-Stadion übernommen; d. Red.)“, sagt er im Gespräch mit SPORT BILD.

Vor dem Top-Spiel gegen den Rekordmeister spricht Göttlich in SPORT BILD auch über andere wichtige Bundesliga-Themen. Er beleuchtet vor allem die Finanzsituation, spricht über die überhöhten Beratergebühren und die Folgen der zunehmenden Langeweile im Meisterkampf.

„Die Bundesliga ist die gesündeste Topliga Europas“

SPORT BILD: Herr Göttlich, die Bundesligisten geben im internationalen Vergleich weniger Geld für Spielertransfers aus. Hat die Liga wirtschaftlich ein Problem?

Oke Göttlich: Nein, die Bundesliga ist die gesündeste Topliga Europas. Das Problem liegt in Europa in nicht ausreichenden Finanzregularien und auch bei der Durchsetzung von Sanktionen bei Finanzverfehlungen. Das führt dazu, dass die wirtschaftliche Vernunft vieler deutscher Klubs in der Öffentlichkeit als Stagnation wahrgenommen wird. Dabei ist diese Vernunft wichtig, um Vereine vor Misswirtschaft zu schützen, um die nachhaltige Entwicklung des Standorts nicht zu gefährden. Deshalb spreche ich immer davon, dass es sehr ähnliche Herausforderungen sind, ob die Bayern in einem unregulierten europäischen System mithalten können oder Klubs wie der FC St. Pauli nur sehr schwer im nationalen Wettbewerb. Daher braucht es stärkere Regulierungen.

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Quelle: BILD/ Antena 3

Konkret heißt das?

Dass ohne Regulierungen kein Geld bei den Vereinen bleibt. Würden die Klubs sparen, müsste man sich als Verein dann den Vorwurf gefallen lassen, nicht genug in Spieler zu investieren. Das ist von Bayern München bis Holstein Kiel gleichermaßen der Fall. Aber in Deutschland müssen wir vermehrt wieder viel Geld in den Nachwuchs, in die Infrastruktur investieren – also in die Substanz. Das ist enorm wichtig, um zum Beispiel nicht das gleiche Schicksal zu erleben wie die Italiener, die zum dritten Mal in Folge nicht bei einer WM dabei sind.

Trotzdem bleibt der Wettbewerb auf der Strecke. Seit 2013 gelang es nur Bayer Leverkusen 2024, den Bayern die Meisterschale aus den Händen zu reißen …

Die Bayern sind national bereits sportlich sowie wirtschaftlich so gut wie uneinholbar, weil sie – und das ist mir wichtig – in den vergangenen Jahrzehnten hervorragend gearbeitet haben und ihren Vorteil durch den damaligen Kirch-Deal (Geheim-Vereinbarung über 40 Mio. D-Mark Ende der 90er-Jahre mit dem damaligen Rechte-Inhaber; d. Red.) maximieren konnten. Daran würde ein wünschenswerter, anderer Verteilungsmechanismus nichts ändern, auch wenn der Gesamtwettbewerb dadurch fairer würde. Fakt ist: Das Produkt Bundesliga wird unattraktiver, wenn die Ergebnisse vorhersehbarer werden. Wenn etwa die Chance für uns immer geringer wird, gegen Bayern oder Champions-League-Anwärter wie Dortmund und Leipzig einen Punkt zu holen.

Was an den unterschiedlichen wirtschaftlichen Voraussetzungen in der Bundesliga liegt.

Ja. Wir als FC St. Pauli haben das Ziel, uns als Bundesligist zu etablieren. Aber ein etablierter Klub wie etwa Augsburg hat allein durch höhere TV-Einnahmen rund 20 bis 30 Millionen Euro mehr pro Jahr zur Verfügung. Europapokal-Teilnehmer kommen auf eine noch weit höhere Summe. Darin liegt ein großer Fehler.

„Die Beratergebühren müssen reduziert werden“

Das heißt?

Die Einnahmen aus dem internationalen Wettbewerb werden unsolidarisch nicht an die anderen Klubs weitergegeben. Das sorgt für eine noch größere finanzielle Schere – und schlussendlich für noch mehr Vorhersehbarkeit. Die TV-Sender, die viel Geld für ihre Rechte bezahlen, können attraktive und spannende Spiele so nicht gewährleisten. Darin sehe ich eine Gefahr.

Bis 2029 kassieren die 1. und 2. Bundesliga 1,121 Milliarden Euro pro Saison an TV-Geld. Hat die fehlende Spannung negative Auswirkungen auf den nächsten TV-Vertrag?

Das kann passieren.

Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf?

Die Beratergebühren müssen reduziert werden. Außerdem wäre ich für einen Salary Cap und für eine Kader-Obergrenze. Wir brauchen auch eine Begrenzung der Multi-Club-Ownerships, sonst wechseln Spieler nur noch innerhalb der Besitzer-Bubble, und wir bekommen ein noch größeres Integritätsproblem.



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