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Wolfsburg (Niedersachsen) – Nach dem VW-Wumms ist die Stimmung am Stammwerk in Wolfsburg auf dem Tiefpunkt. Wie am Dienstag bekannt wurde, hat sich der operative Gewinn der deutschen Traditions-Automarke halbiert. Eine Konsequenz: 50.000 Stellen sollen bis 2030 wegfallen. Die Mitarbeiter bangen um ihre Jobs und ihre Zukunft, viele haben resigniert.

Zur Mittagszeit strömen die Mitarbeiter von Volkswagen durch das Tor Ost: Die einen gehen, die anderen kommen zur Spätschicht. Die BILD-Reporter sprechen viele an, aber reden will kaum jemand. Auf die Frage nach der Gemütslage in der Produktion winkt ein älterer Mann in VW-Jacke ab: „Da halte ich mich raus, das ist ein gefährliches Ding. Aber die Stimmung ist schlecht, das kann ich Ihnen sagen.“

Foto: picture alliance/Snowfield Photography

„Der Laden wird gewollt an die Wand gefahren“

Die BILD-Reporter bekommen am Dienstag zunächst nur vereinzelt ehrliche Einblicke. Aber ein Arbeiter bringt die Lage auf den Punkt: „Der Laden geht den Bach runter“, raunt er. Lachend geht er dann weiter – seine Art von Galgenhumor.

Das VW-Werk in Wolfsburg. Der Konzern plant bis 2030 den Abbau von 50.000 Stellen in Deutschland

Das VW-Werk in Wolfsburg: Der Konzern plant bis 2030 den Abbau von 50.000 Stellen in Deutschland

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Liane A. (47) arbeitet seit 1994 bei VW in der Kommissionierung im Logistikbereich. Von den angekündigten Stellenkürzungen wird sie wohl betroffen sein. „Ich kann es nicht ändern, dann muss ich mir eben einen neuen Job suchen“, sagt sie. Fotografieren lassen will sie sich nicht: „Ich habe ja noch ein Haus abzubezahlen.“ Die Stimmung sei schon lange schlecht – nicht erst seit den neuen Zahlen vom Morgen. „Das ist hier seit der Dieselkrise so“, sagt Liane A. Ihr Eindruck: „Ich habe das Gefühl, der Laden wird gewollt an die Wand gefahren. Im Ausland zu produzieren, ist billiger.“

BILD-Reporter Johannes Schmitz sprach mit VW-Mitarbeiterin

BILD-Reporter Johannes Schmitz sprach mit VW-Mitarbeitern

Foto: Dominik Schlorff

Schichtwechsel am VW-Stammwerk in Wolfsburg

Schichtwechsel am VW-Stammwerk in Wolfsburg

Foto: Dominik Schlorff

VW-Mitarbeiterin schämt sich für Arbeitgeber

Früher sei man stolz gewesen, bei VW zu arbeiten. „Heute schäme ich mich, wenn ich meinen Arbeitgeber nenne. Man ist einfach nur noch froh, einen Job zu haben.“ Viele kämen nur noch wegen des Geldes. „Das war früher anders. Jetzt warten manche nur noch auf ihre Aufhebungsverträge.“ Selbst im Kleinen merke man die Krise: „Vieles funktioniert nicht mehr.“

Mitarbeiter Lars Rose (56) arbeitet seit 31 Jahren bei VW

Mitarbeiter Lars Rose (56) arbeitet seit 31 Jahren bei VW

Foto: Dominik Schlorff

App-User gelangen hier zum Abfindungsrechner von Hey_, der KI von BILD

Andere Mitarbeiter reagieren mit bitterer Ironie. „Die Stimmung ist großartig“, sagen sie sarkastisch. Einer aber widerspricht entschieden den Pessimisten: Lars Rose (56), der seit 31 Jahren bei VW arbeitet. Seinen Job jetzt nennt er „Vorbereitung auf den Ruhestand“. Er sagt: „Andere gehen bei der Lage pleite, wie Stellantis, die machen Minus. Wir machen bei VW immerhin Gewinn, die Probleme kommen von Porsche.“ Zwar gebe es Unruhe in der Produktion, räumt er ein. „Aber das Gesamtjahr ist besser als erwartet. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg.“ Inzwischen ist auch sein Sohn im Werk beschäftigt.

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Quelle: BILD

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