Im Jahr 2026 hat Bayer 04 entscheidend an Boden in der Tabelle verloren. Doch von einer fehlenden Entwicklung möchte Kasper Hjulmand nichts wissen. Der Trainer verweist auf die Daten hinter den Ergebnissen, die ihn allerdings widerlegen.
Trotz enttäuschender Ergebnisse sieht Trainer Kasper Hjulmand eine positive Entwicklung bei Bayer 04. Doch die Daten, die er als Argument anführt, widerlegen ihn.
IMAGO/Beautiful Sports International
Tabellenplatz 6, vier Punkte Rückstand auf Rang 4, der sicher für die Teilnahme an der Champions League berechtigt. Nur 1,54 Punkte im Schnitt in der Rückrunde, in der Bayer 04 sogar nur auf Rang 8 und damit noch hinter Mainz und Augsburg geführt wird – eine Bilanz, die alles andere als den Ansprüchen des Double-Gewinners von 2024 entspricht, der noch als Tabellendritter in die kurze Weihnachtspause ging.
Ich möchte nicht zu viel darüber reden, weil es so klingt, als würde ich das verteidigen.
Kein Wunder also, dass sich Kasper Hjulmand mit dem Vorwurf konfrontieren lassen muss, dass die Mannschaft unter ihm keine Entwicklung genommen hat. Der 54-Jährige sieht das allerdings völlig anders. “Ich finde es ganz, ganz falsch. Ihr seid alle sehr, sehr intelligente Journalisten”, sagte der Däne am Freitag bei der Pressekonferenz vor dem Derby beim 1. FC Köln, “wir können auch die Daten hinter den Ergebnissen sehen – und wir haben eine Entwicklung.”
Doch mit welchen Daten sieht Hjulmand die Entwicklung von Bayer 04 unter seiner Leitung belegt? Als dem Trainer diese Frage gestellt wird, wechselt er ins Englische, was er meist tut, wenn er komplexe und aus seiner Sicht wichtige Sachverhalte erörtern möchte. “Ich möchte nicht zu viel darüber reden, weil es so klingt, als würde ich das verteidigen, aber hinter jedem Ergebnis, hinter jeder Saison steckt viel mehr”, begann der frühere dänische Nationaltrainer seine Argumentation.
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Hjulmand nennt Chancenverhältnis als Beleg für Entwicklung
“Ein Trainer versucht immer, dass seine Mannschaft mehr Chancen kreiert als sie zulässt. Egal, welche Philosophie man verfolgt, das Ziel ist immer, mehr Chancen zu kreieren als der Gegner”, sagte der nach dem 2. Spieltag verpflichtete Trainer, “und wenn man sich diesen Unterschied über alle Spiele hinweg ansieht, haben wir nur sehr, sehr wenige Spiele verloren.”
“Ich glaube, die Spielentwicklung – Vincent (Kompany, der Hjulmand nach dem Pokal-Halbfinale zur Seite sprang, Anm. d. Red.) hat das auch gesagt – seit unserem ersten Aufeinandertreffen bis jetzt ist enorm. Das haben wir geschafft. Manchmal entscheiden das Glück oder kleine Details darüber, dass wir wie gegen Augsburg nicht gewinnen. Aber da geht es nicht darum, dass wir kein gutes Spiel machen oder nicht dafür sorgen, dass wir deutlich mehr Chancen als der Gegner kreieren”, argumentierte Hjulmand und urteilte: “In vielen Spielen haben wir das sehr gut gemacht.”
2026 erzielte Bayer nicht häufiger ein Chancenplus als vor Weihnachten
Doch gibt es in diesem Bereich wirklich eine signifikante Entwicklung zum Guten? Betrachtet man die Bundesliga-Spiele unter Hjulmand bis Weihnachten einerseits und die im Jahr 2026 andererseits, so wird die These des Leverkusener Trainers widerlegt. In beiden Zeiträumen kam Bayer 04 auf sieben Partien, in denen man sich mehr Chancen erspielte als der Gegner. Allerdings standen vor Weihnachten nur sechs Spiele zu Buche, in denen Leverkusen kein Chancenplus erzielte – 2026 sind es bislang bereits derer acht.
Und auch wenn man die Chancendifferenz in den beiden Saisonabschnitten vergleicht, ist eine klare Entwicklung nach oben nicht abzulesen. Stand in den 13 Liga-Spielen unter Hjulmand vor dem Jahreswechsel ein Plus von 23 Torchancen zu Buche, so liegt dieses jetzt bei 29.
Das 1:1 gegen neun Bayern verzerrt das Bild sogar noch zugunsten von Hjulmands These
Wobei das 1:1 gegen Bayern München mit einem Chancenplus von fünf für Bayer, als der Rekordmeister länger als eine Hälfte zu zehnt und in der Schlussphase sogar zu neunt agierte, das Bild noch zugunsten von Hjulmands These verzerrt. Ohne diese spezielle Konstellation wäre auch bei der Chancendifferenz eine Stagnation zu sehen.
Zusammenfassend lässt sich also feststellen: Auch wenn Bayer in den zwei jüngsten Heimspielen beim 6:3 gegen Wolfsburg und dem 1:2 gegen Augsburg mit 16 bzw. 13 Torchancen vereinsinterne Saisonbestwerte aufstellte, existiert die von Leverkusens Trainer angeführte Entwicklung auch im Bereich Chancenverhältnis nicht.
